Tadschikistan, Grenzformalitäten 6.0

Der Weg nach Duschanbe, Hauptstadt von Tadschikistan,  führte erst durch die letzte Grenze. Bis auf den letzten Posten hatten wir alle notwendige Stempel und Bescheinigungen erhalten. Wir waren alleine am Grenzübergang und es war Freitagnachmittag. Mist, kein gutes Zeichen.

Als der letzte! kontrollierende Beamte von unserem Ziel erfuhr, stellte er fest, dass das Auto nicht eingeführt werden durfte. Zum Unglück telefonierte er noch diesbezüglich mit seinem Chef, der schon offensichtlich in Wochenendelaune und mit dem “Problem” auch überfordert war. Wir sollten das Auto dort stehen lassen, nach Chudschand fahren, uns erholen und dann am Montag mit einem Taxi zurückzukommen, um die Formalitäten zu erledigen. Ich dachte an “never ending story”. Es war nichts zu machen. Weder seine Arbeitskollegen noch Anrufe von einem bekannten Anwalt mit entsprechenden Drohungen konnten etwas ausrichten. Er ging zurück und spielte weiter am Computer ein Ballerspiel. Das Auto alleine hier zu lassen war keine Option für uns. Auch hier übernachten kam nicht in Frage. Somit schnappte ich mir das dickste Buch was ich im Auto hatte, ging in sein Büro und machte mich in diesem klimatisierten Raum (bei fast 40 Grad Hitze draußen) auf seinem Sofa breit. Auf seine Frage was das soll, antwortete ich, dass wir doch bis Montag Zeit haben und ich habe ein dickes Buch zum Lesen. Langweilig würde uns nicht werden. Nun rastete er aus und suchte nach einer Möglichkeit, uns los zu werden. Um seinen Chef nicht zu verärgern, kam er auf eine Idee, uns alle Papiere und Kennzeichen wegzunehmen, einen Transit-Zettel auszustellen und uns damit zu zwingen, am Montag wieder zurück zu sein. Nachdem wir schon so viel über Grenzübergänge gelernt hatten, wusste ich, dass das die einzige Möglichkeit ist, schnell und überhaupt die Grenze zu verlassen. Was weiter passieren würde, war mir egal. Übermorgen sollten wir doch schon in Dushanbe sein. Mit Polizeikontrollen kämen wir schon gut zurecht. Also habe ich theatralisch meine Unzufriedenheit und Wut über seine Entscheidung gezeigt  ….. und seinem Vorschlag zugestimmt. Sämtliche Autopapiere (die Originale verblieben natürlich bei uns) und Kennzeichen wurden konfisziert. Wie erhielten einen Zettel für temporäre Einfuhr, der an die Scheibe geklebt wurde und durften damit weiterfahren. Er hat uns noch mit Interpol gedroht, wenn wir am Montag nicht zurück kämen.

 

So schnell ist Antje noch nie in ein Auto gestiegen!  Langsam fuhren wir bis zur Schranke, die sich wie durch eine magische Hand nach oben bewegte. Unser Gefühl in diesem Augenblick kann man nicht beschreiben. Nach mehr als 6 Stunden hatten wir gewonnen.

100 Meter weiter wurden wir von der Polizei angehalten!  Wir haben angefangen, im Auto so laut  zu lachen, dass die Polizisten total perplex waren und ließen uns einfach weiterfahren (crazy people).

Wir waren jetzt in "richtigen" Bergen. Unsere Route führte über zwei hohe Gebirgsketten, Ausläufer des Pamir-Gebirge.

Durch eine diese Gebirgsketten führt der berüchtigte Anzob-Tunnel. Ein vor Jahren von Chinesen gebautes fünf  Kilometer langes, dunkles Loch ohne jegliche Beleuchtung, komplett überfluteter Fahrbahn mit riesigen tiefen Löchern sowie aus der Fahrbahn herausragenden, daumendicken Stahlelementen.

Über die zweite Gebirgskette führte ein alter Weg, Schotterpiste bis auf eine Höhe von über 3600 Höhenmeter. Der Polo kletterte wie eine Eidechse im ersten und im zweiten Gang. Unser maximale Geschwindigkeit lag mehrere Stunden bei 15 km/h.

Vor uns lag eine unbefestigte Bergstraße, wir hatten keine Autopapiere, kein Werkzeug und keine Ersatzteile, aber einen vollen Tank und Sonnenbrillen. Was kann uns schon passieren? :)

Eine Nacht haben wir zwischen den Bergen bei einer lieben Familie auf der Wiese im Zelt verbracht. Der Hund hat auf uns aufgepasst und morgens wurden wir noch zum Frühstück eingeladen. Antje hatte leichte Symtome der Höhenkrankheit. Wir mussten runter!

Diese Leute waren so arm aber freundlich und fürsorglich, dass ich alles was ich konnte von unserem Equipment ihnen geschenkt habe.

In Dushanbe angekommen, haben wir uns erst bei Organisatoren der Rallye gemeldet. Dann ging alles schnell. Das Auto wurde selbstverständlich ohne Papiere abgegeben und die Stadt erkundet.

 

Des weiteren nahmen wir Kontakt mit Habitat for Humanity und fuhren wir nach Süden nach Dusti, um sich ihre Projekte anzugucken.

Das meiste Geld hatten wir dieser Organisation gespendet.

Hier haben wir gesehen, wie spezielle Wasserfilter sowie erdbebensichere Häuser gebaut werden. Wir waren sehr zufrieden. Das Geld war in guten Händen.

Für eine Stadt- und Bazar-Besichtigung hatten wir noch reichlich Zeit. Danach haben wir uns mit Tränen in den Augen bei unserem Polo für alles bedankt und unsere zwei kleinen Maskottchen mit nach Hause genommen.

Zum Schluß

Nach der Rückkehr nach Hause haben wir einige Wochen später erfahren, dass wir die Gewinner der Rallye sind!

Diesen Gewinn haben wir der Großzügigkeit unserer Freunde und Bekannten zu verdanken. Dank an Euch alle!

 

Ein kleines Dankeschön und ein Pokal wurde uns später überreicht. So ging die Rallye für uns zu Ende, wird aber mit Sicherheit für immer in unseren Herzen bleiben.

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