Medicine around the world

 

Hier schreiben wir über unsere Arbeit und Besuche in Krankenhäusern in anderen Ländern.

 

Wir freue uns auf Eure Kommentare im Gästebuch. Gerne könnt Ihr auch direkt Kontakt zu uns aufnehmen.

 

"In our age such great usefulness redounds to the physician from his travels that none puts much faith in the authority of the physician who has not set foot outside his native land, and, although each may have at home in abundance those things which are necessary for medical instruction, nevertheless they ought to be strengthened or increased by a comparison with things abroad.

 

There is a vast delight and pleasure in gazing upon foreign lands and fields, mountains and rivers, observing the benignity of Nature's variety everywhere, the different conditions of the sick in homes and in hospitals with their great number of beds, which can readily be seen here and there, examining the methods for treating the patients, enjoying the conversation of the learned men, and calling forth their experiences, and visiting the laboratories, the furnaces of the chemists, the pharmacies and the unguent shops."

 

Thomas Bartholin, Danish anatomist (1616 -1680) über medizinische Reisen

August 2012

Bereits bei unserer ersten Reise nach Tadschikistan im Jahre 2012 haben wir versucht, in verschiedenen Ländern mit den Ärzten in Krankenhäuser Kontakt aufzunehmen. Es ist für uns wichtig, über den Tellerrand zu gucken und auch in der Medizin etwas Neues zu entdecken.

 

In Dushanbe in Tadschikistan haben wir uns zuerst verschiedene Projekte eine der Hilfsorganisationen Habitat for Humanity angeschaut, für die wir auch Geld gespendet haben. Es ging um die Wasserversorgung und Häusebau nach Erdbeben.

Durch eine zufällige Bekanntschaft haben wir Kontakte zur zwei Ärzten bekommen. Der eine Kollege war zuständig für Epidemiologie und arbeitet für die WHO. Wir verbrachten einen Abend mit ihm und ungefähr 25 Kindern aus der Nachbarschaft. Hier hatten wir die Möglichkeit, unsere Campingausrüstung zur Freude aller Beteiligten zu verschenken. Wir erhielten weitere Informationen über das Gesundheitssystem in Tadschikistan.

Der zweite Arzt war ein Chirurg aus der Uniklinik in Dushanbe.

Ins Gespräch versunken verbrachten wir mit dem Kollegen den ganzen Abend bei traditionellem grünem Tee und verabreden uns für den nächsten Tag in der Klinik.

 

Hier haben wir viele, nette und sehr hilfsbereite tadschikische Chirurgen kennengelernt, hatten einen Einblick in den Alltag, besuchten eine chirurgische und intensivmedizinische Station sowie eine Kinderstation. Auch ein Blick in den Operationstrakt durfte hier nicht fehlen. Mit unserer Erfahrung brauchten wir nicht viel Zeit, zu erkennen, dass es hier  an vielem fehlt.

 

Bereits auf dem Weg zurück ins Hotel haben wir beschlossen, dass wir hier helfen müssen. Das war im August 2012.

Dezember 2012

Nach der Rückkehr nach Deutschland dauerte es nicht lang, bis wir mit den Recherchen und unseren Vorbereitungen begannen.


Nach Darstellung der dortigen Situation (wir waren wahrscheinlich so überzeugend) wollten uns alle, die wir angesprochen hatten  helfen. Mindestens bei  tausend Leuten müsste ich mich hier jetzt bedanken!

 

Nach Rücksprache mit unserer Geschäftsführung sammelten alle für uns in der Klinik Spendenmaterial. Im OP und in der Sterilisation wurden die ausgemusterten chirurgischen Instrumente bereitgestellt. Bereits nach kurzer Zeit hatten wir eine größere Menge Naht- und Verbandsmaterial sowie chirurgische Instrumente. In der Zwischenzeit hielten wir einen regelmäßigen Kontakt zu unseren chirurgischen Kollegen an der Uniklinik in Dushanbe. Aufgrund einer Zeitverschiebung sowie technischen Problemen, war das nicht immer einfach, aber immer lustig. Mein Russisch besserte sich von Woche zu Woche und meine Telefonrechnung sprach für Bekannte auf dem Mars.

Januar 2013

Im Januar 2013 stand bereits fest, dass wir im Mai nach Dushanbe mit unserem Material fliegen würden. Wir hatten keine offizielle Unterstützung für den Transport und mussten alle Spenden und Geschenke als privates Gepäck mitnehmen. Wir hofften, keine Schwierigkeiten beim Zoll zu bekommen. In den letzten vier Wochen vor der Abreise liefen in Aurich und in Leer alle Leitungen heiß. Es wurden ein grobes Programm mit verschiedenen Operationen abgesprochen sowie ein chirurgischer Austausch im Sinne eines deutsch-tadtschikischen Chirurgischen Kongresses vorbereitet. Wir haben viele PowerPoint Präsentationen über Chirurgie, chirurgische Onkologie, Notfallmedizin und Organisation des Gesundheitssystems vorbereitet. Die Flyer wurden gedruckt, die Einladungen wurden in alle Himmelsrichtungen in Tadschikistan verschickt. Wir hatten nicht damit gerechnet, aber es war ein großer Hörsaal an der Universität für uns vorbereitet.

Mai 2013 ab nach Duschanbe!

 

Mit mit fast 50 Kilogramm medizinischem  Material und Geräten im Gepäck flogen wir von Frankfurt nach Dushanbe.

Dort wurden wir in der am Morgen herzlich von all unseren Freunden empfangen.

Am nächsten Tag wollten wir keine Zeit verlieren und begannen wir sofort mit unserer Arbeit und Organisation. Alles musste spontan entschieden werden.

Im Arztzimmer von unserem Freund haben wir alle möglichen Patienten untersucht, eine große Schlange der bildeten sich bereits im Flur. Manche sind 400 km gefahren, was für tadtschikische Verhältnisse eine zweitägige Reise bedeutet.

Vorwiegend hatten wir mit koloproktologischen Problemen, Kolon- und Rektumkarzinome, Schilddrüsenerkrankungen und verschiedenen Hernien zu tun. Eine zweite Gruppe bildeten Patienten, die bereits in verschiedenen Kliniken voroperiert waren. Wir sollten die entstandenen Komplikationen behandeln.

Bereits nach diesem ersten Tag stand unser OP Plan fest und war bereits maßlos überfüllt. Eigentlich war das eine Aufgabe für vier Wochen, wir hatten leider nur eine Woche Zeit dafür. Wir wollte keinen Patienten abweisen und beschlossen, um 7.00 Uhr anzufangen und den ganzen Tag im OP zu verbringen.

Bereits nach dem ersten Tag waren wir überwältigt von der Freundlichkeit der Patienten und dem Interesse unserer chirurgischen Kollegen. Wir haben festgelegt, jeden Tag nach der Arbeit eine Vorlesung über die aktuellen Thermen in der Chirurgie abzuhalten und eventuellen Fragen zu beantworten.

Die restlichen 5 Tage waren ausschließlich mit Operationen und Vorträgen ausgefüllt. Wir haben unzählige Rektum- und Sigmakarzinome operiert. Dazu kamen noch unterschiedliche Hernien, einiger Strumen wie auch viel "Kleinkram" wie Lymphknoten, Weichteiltumoren etc. Des weiteren haben wir uns bemüht, den jungen Kollegen die Standardverfahren sowie taktisches, onkologisches Denken zu zeigen.

Hervorragende anatomische Kenntnisse wie auch enormes Interesse der Kollegen beflügelten uns, sodass wir die Müdigkeit und Stress gar nicht spürten. Es hat einfach Spass gemacht!

Die restlichen Tage waren ausgefüllt von weiteren mehr oder weniger komplizierten Operationen, Gesprächen mit den Familien der Operierten sowie fachlichen Diskussionen mit den Kollegen.

Ferner haben wir jeden Tag unsere Patienten sowohl auf den Stationen als auch auf der Intensivstation besucht.

Aber: solch ausgeprägte Dankbarkeit der Patienten hatten wir bis jetzt in unserem Berufsleben noch nicht

erlebt.

Die Zeit verging wie im Flug. Am Tag unserer Abreise, am Freitag hat man uns gesagt, dass wir uns doch erholen sollten. Wir haben dagegen heftig protestiert und wie jeden Tag von 7 Uhr bis 18 Uhr im OP gestanden. Danach haben sich sämtliche, chirurgische Kollegen von uns persönlich verabschiedet.

Ab nach Hause

Zu Packen hatten wir nicht viel, da wir sämtliche Materialien und Instrumente gerecht verteilt hatten. Unsere Freunde hatten noch eine Überraschung für uns. Sie sind alle nachts  mit uns zum Flughafen gefahren und haben uns so lange Gesellschaft geleistet, bis wir abgeflogen, Winken konnten sie damals noch vom Rollfeld aus!

Der Abschied fiel uns schwer, aber wir wussten bereits jetzt dass wir wiederkommen würden.

Weiterentwicklung bis 2016

Seit unserem ersten Besuch in der chirurgischen Abteilung der Universitätsklinik in Dushanbe ist eine regelmäßige und intensive Zusammenarbeit entstanden. Jedes Jahr bereiten wir eine OP-Woche mit Liveoperationen, Schulungen und Vorträgen vor. Das ganze Jahr über versuchen wir entsprechende Materialien und Instrumente als Spenden zu sammeln. Bereits vor der Abreise werden die ersten Patienten nach telefonischen Konsultation einbestellt.

OP-Woche 2014

Op-Woche 2015

Op-Woche2016

Seit 2014 arbeiten wir auch mit anderen Kliniken in der Hauptstadt von Tadschikistan wie zum Beispiel und mit der Chirurgischen Onkologie und Minimalinvasiven Chirurgie. Diese Kliniken befinden sich in anderen Stadtteilen Dushanbes. Um unsere Patienten zu erreichen, müssen wir mal "schnell" zur nächsten OP durch den chaotischen Hauptstadtverkehr gefahren werden. Man muss eben flexibel bleiben:)

 

Das Jahr 2016 war besonders erfolgreich. Es ist uns gelungen, einen dringend benötigten Elektrokoagulator (18 Kilogramm Gewicht!) nach Tadschikistan zu transportieren. Des weiteren konnten wir Ralph, einen ehemaliger OP-Pfleger und derzeit in der Zentralen Notaufnahme unserer Klinik beschäftigt, für unsere Arbeit begeistern. Er war eine große Hilfe sowohl im OP als auch während der Schulungen und als Organisator.

 

Ferner konnte nun ein Kooperationsvertrag zwischen unserer Klinik und der Tadschikischen Wissenschaftsakademie abgeschlossen werden. Dieser Vertrag sieht einen weiteren wissenschaftlichen, fachlichen sowie kulturellen Austausch vor.

Was das Jahr 2018 bringt, wissen wir noch nicht aber wir freuen uns jetzt schon auf unsere Sammel-  und Packaktionen wie auch auf eine anstrengende und erlebnisreiche Woche in Tadschikistan.

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