Westdeutschland und Ostpolen

Prolog

Wie bei allen Menschen sind unsere Reisepläne in diesem Corona -Jahr bis zu einem gewissen Grad durcheinander gewirbelt.

In diesem Jahr wollten wir in der Karwoche nicht wie sonst jedes Jahr zu meinen Verwandten nach Israel fahren, sondern einen Wanderurlaub auf Madeira machen. Als es dann so weit war, wären wir lieber zu meinem inzwischen schwer kranken Onkel nach Israel gefahren, aber das sollte in diesem Jahr nicht mehr möglich sein.

 

Mitte September konnte ich mit Woj den ersten Urlaub in diesem Jahr antreten und wir wussten bis kurz vor dem Urlaub noch nicht, wo es hingehen sollte. Dass wir in Deutschland Urlaub machen wollten, war das einzige, was sicher war, da wir uns aufgrund unseres Berufes nicht dem Risiko aussetzen wollten, mit einer Infektion im Gepäck zurück zu kommen. Ostdeutschland kannten wir nur wenig und insbesondere die Ostgrenze Deutschlands ist sehr interessant. So war die Entscheidung schnell gefällt. Per Zufall habe ich dann einen dreiteiligen Reiseführer gefunden, der genau dieses zum Thema hat, nämlich „Deutschlands Osten, Polens Westen“ von Christine Stelzer. Sehr empfehlenswert, gut geschrieben mit vielen interessanten Tipps.

Der Norden

Zunächst ging es in einem Rutsch von Ostfriesland nach Mecklenburg, und wir verbrachten den Tag in Schwerin im wirklich sehr schönen Schlosspark, der mal für die Bundesgartenschau hergerichtet worden war. In der Orangerie dort lässt sich vorzüglich Eis essen und Kaffee trinken! Wir hatten nämlich noch das Glück, dass schönes Wetter war. 

 

Laut Wettervorhersage sollten wir sieben bis zehn Tage sehr heißes Wetter mit Temperaturen über 30° haben. Und es wurde richtig heiß, besonders weil uns die Riemenscheibe der Klimaanlage auf dem Wege nach Schwerin kaputt ging. Wir hielten das allerdings für ein gutes Zeichen, weil sie auch den ganzen Motorraum hätte zerstören können. So oft wurden die Fenster in unserem Landcruiser wahrscheinlich noch nie betätigt. 

Von Schwerin ging es weiter nach Wismar. Dort fanden wir ein kleines Hotel direkt bei der Altstadt. Im Hotel Willert haben wir ein wunderschönes Zimmer unter dem Dach bekommen. Sehr nette Gastgeber.

 

Am nächsten Morgen erfuhren wir von dem Tod meines Onkels. Dieser Verlust begleitete uns verständlicherweise auf der Reise. Aber der Besuch in der Kirche Sankt Nikolai wird mir immer in Erinnerung bleiben. Über der Eingangstür steht mein Konfirmationsspruch, Jeremia 29,13-14: Denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Das fand ich schon außergewöhnlich, denn diesen Spruch habe ich bisher sonst selten gesehen, und bisher nicht über einer  Kirchentür. Innen am Eingang ist ein großes mittelalterliches Wandbild mit einem biblischen Stammbaum. Der Herr in der Kirche wollte mir nicht wirklich Auskunft hierzu geben, hatte vielleicht auch keine Zeit. Ich könne das in der Bibel nachlesen. Mein Onkel in Israel hätte diesen Stammbaum problemlos erklären und mit Geschichten lebendig werden lassen können. Dies war nun nicht mehr möglich. Und wie sehr mich diese Endgültigkeit schmerzte, merkte ich in dieser Kirche. Beim anschließenden Gang um die Kirche herum fand ich über einer weiteren Tür den Psalm 121. Dieses Lied hatten wir zu unserer Hochzeit in der Wüste in Israel gesungen, eine Zeremonie, die mein Onkel geleitet hatte, wo wir diesen Psalm auf Hebräisch sangen mit Blick auf die Berge.

 

Wir fuhren dann weiter über kleinere Dörfer nach Güstrow, das Schloss konnte wegen Renovierung jedoch nur von außen besichtigt werden.

Dann ging’s weiter nach Basedow, was wir natürlich wegen der Schilddrüse auch besichtigen mussten. Das Schloss dort ist sehr interessant gewesen, weil es erst zum Teil renoviert ist. Auch hier nur eine Besichtigung von außen möglich, aber der Schlosspark ist ein wunderschöner Rundgang durch die Landschaft. 

Die nächste Übernachtung war in Rostock.   

Jetzt begann die Ostsee-Tour. Wir sind nach Darß gefahren, haben in Wustrow einen schönen Strandspaziergang gemacht, die Seebrücke Zingst besucht und sind anschließend nach Stralsund gefahren. Das alte Rathaus dort hat uns sehr an die Tuchhallen in Krakau erinnert. Die Marienkirche hat sehr schöne alte Grabsteine als Bodenplatten. Abends haben wir den Tag ausklingen lassen am Hafen, wo die Gorch Fock liegt. Außerdem sehenswert ist das Johanniskloster.

Am nächsten Morgen haben wir das Meeresmuseum und die Nikolaikirche besucht. Dann ging es weiter über viele kleine Dörfer mit kleinen Schlössern, die entweder zerfallen oder renoviert und von Firmen oder Privatleuten genutzt werden. Von Stralsund ging es nach Rügen. Nach einer sehr schönen Fahrt über die Insel haben wir am Kap Arkona Halt gemacht und dort eine ausgiebige Wanderung unternommen. Abends haben wir dann auf dem Wohnmobilparkplatz dort übernachtet. Am nächsten Tag folgte bei strahlendem Sonnenschein eine lange Wanderung an der Küste mit Blick auf die Kreidefelsen von Rügen. Dann ging es zum Campingplatz Rügen-Pritzwald. Der liegt sehr schön an einem Strand im Wald. Dann sind wir nach Greifswald gefahren und haben uns dort den Dom Sankt Nikolai angeschaut mit seinen besonderen Wandmalereien und der fantastischen Kanzel mit Abbildungen von Martin Luther. Auf dem Marktplatz haben wir einem alten Mann Knoblauch, Zwiebeln und Blümchen abgekauft. 

Anschließend haben wir die berühmte Klosterruine Eldena angeschaut und im Duft- und Tastgarten bei Papendorf/Lassan die Blumen, Kräuter und andere Pflanzen bewundert und den Kuchen genossen.

 

Das Hotel am Stadtwall in Anklam ist in einem alten Badehaus untergebracht und hat nicht nur sehr freundliche Inhaber sondern auch günstige Zimmer. Essen kann man in dem Steakhouse am Marktplatz, dort gibt es auch sehr empfehlenswerte Veggie Burger und eine gut ausgestattete Bar. Mit dem jungen Wirt haben wir uns sehr lange auch über die Zukunft der Jugend vor Ort unterhalten. Er berichtete uns, dass Anklam eine junge Stadt mit einer positiven Bevölkerungsentwicklung gerade von jungen Leuten ist. Es tut sich also viel!

Am nächsten Tag ging es ans Stettiner Haff. Da es allerdings so aussah, als ob ganz Deutschland sich in Richtung Strände bewegt, haben wir davon abgesehen, die berühmten Seebrücken zu besichtigen,  und haben nur einen ausgiebigen Strandspaziergang und ein Sonnenbad in der Nähe von Ückeritz am Strand genossen. Eine Besonderheit ist der so genannte Botanische Garten in Christiansberg. Eigentlich eher ein Privatgarten, der aber durch eine Fülle an Pflanzen auf einem riesigen Gelände überzeugt und mit viel Liebe gestaltet und gepflegt wird. Am Eingang ist auch ein kleines Café. Das Ukranenland bei Torgelow konnten wir leider nur von außen anschauen, da es geschlossen war. Es ist ein Freilichtmuseum, das wie ein frühmittelalterliches Dorf angelegt ist. 

Im Zickzack über die Oder nach Süden

Die nächste Übernachtung war in der Villa Knobelsdorff in Pasewalk. Ein altes Gebäude, das dem letzten Kommandeur des dort stationierten Regiments als Wohnsitz diente. Nachdem er aus dem Dienst ausgeschieden war, hatte er dort eine Weinhandlung eingerichtet und wohnte in dem Haus, bis er kurz vor Eintreffen der Roten Armee im April 45 die Villa verließ.

Das Restaurant im Weinkeller ist gemütlich und bietet gute Küche.

 

Am nächsten Tag ging es zum ersten Mal über die Grenze, ich wollte gerne den Krummen Wald sehen, auch wenn mir klar war, dass es sich hier nur um eine von Menschen gemachte Deformation handelt und dies nur einige wenige Bäume sind. Es war aber sehenswert. In Przyzyce bestaunten wir die alten Stadtmauern. Dann ging es weiter zum Schloß Przelewice, wo wir einen fantastischen Garten fanden. 1933 hatte der Enkel des Unternehmers August Borsig und Mitinhaber der Borsig Werke in Berlin das Schloss und den Garten gekauft. Als begeisterter Dendrologe hatte er hier viele Besonderheiten gepflanzt. Der Garten ist so groß, dass man hier viele Stunden mit Entdecken und Spazieren verbringen kann. So viele verschiedene Wildrosenarten und Schneeballarten!

Borsig selbst wurde 1945 mit 72 Jahren von sowjetischen Soldaten vor seinem Haus erschossen.

 

Das Schloss Wildenbruch, wohin wir anschließend gefahren sind, ist die Ruine eines Schlosses in Westpommern. Das Schloss wurde im 14. Jahrhundert als Ordensburg der Johanniter errichtet und später zu einem Barockschloss umgebaut. Jetzt steht es leer, und man muss über Mauern steigen und sich durch Brennnesselwälder durchkämpfen, um zu der Ruine zu gelangen. Diese hat allerdings ein neues Dach.

 

In Chojna haben wir das alte Rathaus und die gegenüberliegende alte Kirche zumindest von außen besichtigen können. Vieles ist jetzt wegen Corona geschlossen und kann nicht besichtigt werden. Am Abend trafen wir in dem Gutshaus Bielin ein, einem alten Gutshaus mit einem großen Pferdehof. Wunderschön war’s morgens,  die Pferde sich im Dunst in der Sonne aufwärmen zu sehen. Wir haben den Tag im so genannten Tal der Liebe, der Dolina Miłosci verbracht, wo wir sehr schöne Wanderrouten vorfanden. Anschließend gab es im Schatten am Ufer der Oder heißen Tee und Suppe. Dann haben wir uns noch die Kriegsschauplätze und Gedenkstätten für die gefallenen Soldaten an der Oder angeschaut. 

Da es uns auf dem Pferdehof so gut gefallen hatte, haben wir um eine Verlängerung gebeten, welche auch gewährt werden konnte. Erst zum Wochenende sollten viele Gäste zu einer Herbstjagd eintreffen. Weil es einen wunderschönen Sonnenuntergang geben sollte, hatten wir versucht, in der Nähe des Hotels auf einem Feld den Sonnenuntergang zu erleben. Davon hielt uns jedoch ein wild winkender und röhrender Jäger ab, der sich so äußern musste, weil er wegen des Wildes nicht rufen wollte! Aber zu Hause auf der Terrasse erlebten wir dann den ganzen Abend röhrende Hirsche und waren sehr beeindruckt. Am nächsten Morgen zeigte sich der Boden neben der Terrasse zerwühlt von Wildschweinen, die dort in der Nacht wohl den ganzen Garten umgegraben hatten!

Weiter ging es auf der polnischen Seite zum Schloss Tamsel, auch dies war mit einem neuen Dach versehen und seitdem leer und nicht weiter renoviert. Der Park des Schlosses war ein öffentlicher Park mit einer zerschossen Victoria -Statue. Kaum hatten wir halt gemacht vor dem Schloss, kamen auch schon Anwohner, die dachten, wir wollten das Schloss kaufen. Wie wir nämlich später sahen, stand dieses Schloss zum Verkauf!

Einer der Anwohner gab uns aber noch den Tipp, oben auf die Anhöhe zu fahren, dort fanden wir dann den Cäcilientempel mit Tafeln zur Information zu diesem Gebäude und seinem früheren Aussehen sowie zur Geschichte des Schlosses.

 

Weiter ging es in den Oderbruch und zur Warte, um dort Vögel zu beobachten. Außer Gänsen, die wir in größerer Fülle auf den ostfriesischen Feldern haben, als wir sie dort sahen, haben wir nur wenig Vögel gesehen. Dafür aber einen ganz besonderen, einen Ornithologen. Wie sich herausstellte war dieser Ornithologe viele Jahre in Oldenburg beschäftigt. Was für ein Zufall!

 

Weiter ging’s zum Schloss Neuhardenberg, etwas kühl klassizistisch und jetzt ein Hotel, dessen Park zu einem schönen Spaziergang einlädt.

Übernachtet haben wir in dem Gasthaus Wagner bei Golzow, einem hübschen  kleinen familiengeführten Gasthaus mit einer guten Küche, auch für Vegetarier!

Am nächsten Tag machten wir eine lange Wanderung durch das wunderschöne Schlaubetal. Wir haben auf den 12 km nur fünf Menschen getroffen, dafür aber Biberburgen, riesige Höhlen von Füchsen oder Dachsen gefunden, fünf Schwäne und ein paar Eichhörnchen getroffen. Und eine Blindschleiche kreuzte unseren Weg. Für die Übernachtung fuhren wir nach Neuzelle. Abends haben wir uns den dortigen Klostergarten angesehen, dann ging es zum Abendessen in die „Wilde Kloster Küche“. Junge moderne Küche mit traditionellen Zutaten, wir waren begeistert und haben uns noch (am nächsten Tag) lange mit den Inhabern und dem Küchenpersonal unterhalten. Eine sehr gute Adresse für Ginliebhaber. 

Der nächste Tag war der erste richtige Regentag. Zunächst wollten wir das Zisterzienserkloster Neuzelle besichtigen, die Führungen sind in Coronazeiten rar. Also haben wir uns die Klosterkirche angeschaut, eine prunkvolle Barockkirche mit typisch unbequemen Bänken. Die Küsterin wurde auf uns aufmerksam und gab uns eine exklusive Führung durch die Kirche, Frau Wunder machte ihrem Namen alle Ehre!

Anschließend ging es nach Eisenhüttenstadt, wo wir das Museum Alltag in der DDR besichtigten und von dort wieder auf die polnische Seite nach Skórzyn zum Grab des Reichskanzlers Caprivi, dem Nachfolger von Bismarck. Hatten mein Mann und mein Vater das Grab vor einigen Jahren noch gut auffinden können, weil der ehemalige Friedhof von Büschen befreit war, bot sich jetzt das Bild eines völligen Urwalds. Die vom Bürgermeister eingeschlagenen Stahlstege zur Markierung der ehemaligen Grabstätte waren zu finden, wenn man wusste, wo sie sind. Aber es hatte jemand auch mit Farbe an einem Baum den Namen Caprivi gesprüht, und ein Pfeil zeigte zur Grabstätte.

Anschließend ging es zum Schloß Brody, wo wir übernachten sollten. Das Schloss selbst ist unbewohnbar, aber auch hier: ein neues Dach. In den Hofstätten des Schlosses findet sich jetzt ein Hotel. Die Küche ist einfach aber lecker. Die Zimmer sind schön eingerichtet gewesen, jetzt aber ziemlich runtergekommen. Vor und neben dem Schloss findet man Schautafeln mit Bildern des Schlosses, wie es ausgesehen hat. Diesen Vergleich vor Augen, stimmt es sehr traurig, was man jetzt dort sieht. Der Platz unter der Aussichtsterrasse zum See dient nun den Dorfjugendlichen als Treffpunkt, wo man die Sixpacks hin schleppte und vor dem Regen geschützt feiern konnte.

Außer uns waren noch eine große Gesellschaft von jungen Leuten aus Polen und polnische Auswanderer aus Irland im Hotel, die sich dort anlässlich einer Hochzeit einfanden. Und wir trafen einen stillen älteren Herrn, der am Tisch neben uns Platz nahm, um dort Kaffee zu trinken. Wir kamen ins Gespräch und hörten gar nicht mehr auf. Herr Daenner erzählte uns von seinem Leben in Polen als ehemaliger Unternehmer, vom Tod seiner Frau und von seinen Plänen, ins warme Ecuador auszuwandern.

 

Am Tag darauf wollten wir die alte deutsche Tuchfabrik und das große Palmhaus in Zielona Góra besichtigen. Um es kurz zu machen, wir sind bis auf die Knochen durchgeregnet, das Palmhaus war ein Restaurant mit Palmen drin und die Tuchfabrik war jetzt das Parkhaus für ein Einkaufszentrum. In diesem Einkaufszentrum gab es ein kleines Zimmerchen, das man nach Voranmeldung besichtigen konnte und das als Museum diente. Enttäuscht sind wir weiter nach Zary gefahren. Dort fanden wir schöne alte Häuser und vor allem ein gutes Restaurant, das Lew. Bei warmen Essen war die Laune gleich besser. Am Nebentisch nahm eine polnische Deathmetal Band ihr Essen ein. Völlig überraschend trafen wir noch ein Paar aus dem gleichen Landkreis, die Welt ist doch ein Dorf!

 

Zurück zur deutschen Grenze übernachteten wir noch auf der polnischen Seite von Bad Muskau. Am nächsten Morgen ging es in den Park, wo wir fast den ganzen Tag verbrachten. Wir bewunderten die riesigen alten Bäume, die es dort gibt, und die schönen Sichtachsen. Wir trafen dort auch ein älteres Ehepaar, das aus der Nähe von Bremen hier auf Tour war und den Park mit Elektrorädern erkundete. 

Das Wetter spielte noch mit, auch wenn es morgens noch recht kühl war und sich dann ein bisschen zuzog. 

Dann fuhren wir weiter nach Altdöbern. Das Schloss dort ist hübsch und wird renoviert. Wie wir später erfuhren, steht es auch zum Verkauf. Der Schlosspark ist auch sehr interessant, wir fanden das Heckentheater am besten. Dann allerdings wollten wir noch einen Kuchen essen und trafen Frau Sonja Wettig, die in der Orangerie ein Café betreibt. Man sieht der Orangerie und dem dazugehörigen Garten an, dass die Eigentümerin des Gartens und Pächterin der Orangerie von Beruf Floristin ist. Mit großer Hingabe wird dekoriert und wenn man Kuchen bestellt, bekommt man nicht nur einfach köstlichen Kuchen, sondern der ist auch noch mit frischen Blüten dekoriert. Sie berichtete uns, dass auch das Schloss Altdöbern zum Verkauf stehe. Wir sind aber weiterhin recht zufrieden mit unserem Haus und wollten lieber nicht tauschen.

 

Nun ging es in den Spreewald zum Schloss Lübbenau, wo wir fürstlich übernachtet haben. Am nächsten Tag haben wir uns im Hafen ein Kanu ausgeliehen, man kann auch geführte Touren in einem Kahn mit zentralem Tisch und Gondoliere machen, wir wollten aber lieber selber paddeln. Auch wenn das jedes Mal in eine schwere Belastungsprobe unserer Ehe ausufert. Die Landschaft ist sehr schön, wir hatten hervorragendes Wetter und sind auch nur fast mit einem der großen Kähne zusammengestoßen.

Der Weg durch Sachsen

Anschließend ging es nach Moritzburg, wo wir das Schloss aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ besichtigen konnten und ich auch den goldenen Schuh auf der Treppe gefunden habe. Übernachtet haben wir dort in einem kleinen Hotel und gut gegessen in der Wirtschaft Forsthaus. Wichtig ist hier vor Ort,  rechtzeitig einen Tisch zu reservieren und sich nicht zu spät auf die Suche zu begeben, denn der Ort ist wirklich klein und nach 21:00 Uhr wird es schwierig, irgendetwas Ordentliches zu essen zu bekommen.

 

Am nächsten Tag ging es nach Meißen! In der Früh haben wir erst mal die Porzellanmanufaktur besichtigt. Es gibt geführte Besichtigungen der Werkstätten, was ganz interessant ist. Coronabedingt sind die Gruppen sehr klein und dadurch war die Zeit sehr sehr knapp, man konnte kaum den Fachleuten an den einzelnen Arbeitsplätzen Fragen stellen.

Anschließend haben wir uns noch in dem Museum die Porzellankunstwerke der letzten Jahrhunderte angeschaut. Uns ist wirklich schwindlig geworden von den Preisen, aber es sind auch tolle Kunstwerke.

Wir haben dann in der Altstadt ein Parkhaus gefunden, wo wir das Auto abstellen konnten, und zufälligerweise lag dieses direkt an einem skurrilen Aufzug, der einen in die Oberstadt zur Burg brachte! Die Albrechtsburg kann man besichtigen mit einem interaktiven Tablet, was wahrscheinlich besonders für Kinder sehr interessant ist. Vor allem die Geschichte Sachsens wird sehr gut gezeigt. Das Treppenhaus der Wendeltreppe ist sehenswert. Gleich nebenan liegt der Dom zu Meißen auf dem Burgberg.

 

Den letzten Tag unserer Reise haben wir in Wörlitz bei Dessau verbracht. Ich wollte meinem Mann den Park zeigen, der mir vom Besuch vor 15 Jahren in sehr guter Erinnerung geblieben ist.

Die großen Sehenswürdigkeiten schauen wir uns am liebsten gleich morgens früh an in der Annahme, dass wir dann dort weniger Leute antreffen, was sich eigentlich fast immer bewahrheitet hat. Dass wir diesmal fast alleine auf dem See waren und keine Sekunde auf einen Kahn warten mussten, lag aber an der Pandemie und dem Klima. Der See ist ein toter Arm der Elbe. Und wenn nach langer Trockenheit die Elbe wenig Wasser führt, ziehe sie - so berichtete unser Kahnfahrer - das Wasser aus dem See in Wörlitz. Dadurch haben in den letzten zwei Jahren die Kahnfahrer ab Juli die kleinen Kanäle nicht mehr befahren können, weil das Wasser nicht tief genug ist dort. Die Fahrten der Kähne finden dadurch nur noch auf dem großen See statt. Das reizvolle der Kahnfahrten war ja, die Besonderheiten dieses Parks, die alten und die besonderen Bäume und auch die Gebäude vom Wasser aus bestaunen zu können. Und das alles im Rahmen einer Führung. Aber wir hatten weiterhin Glück: Das Wetter war fantastisch, ein bisschen kühl, so dass man beim Wandern nicht ins Schwitzen kam, aber strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Also haben wir den ganzen Park durchwandert, was auch sehr schön war. Wir haben unterwegs ein wirklich fantastisches Sorbet gekauft von einem indischen Eisverkäufer, der dort, wie wir später erfuhren, zum Ärgernis der ortsansässigen Cafés illegal mit seinem mobilen Eiswagen unterwegs ist. 

Leider waren unsere Bargeldreserven erschöpft (es reichte gerade noch fürs Eis), so dass wir die einzelnen Häuser nicht besichtigen konnten. Aber so haben wir einen Grund wiederzukommen! Und natürlich auch, um dann eine Kahnfahrt möglichst im Frühling auf den Kanälen zu machen.

 

Kurz vor dem Einsteigen ins Auto, um wieder nach Hause zu fahren, kamen wir vorbei an dem Laden „Camandus“ von Frau Editha Weiss. Wunderschöne Blumenarrangements fanden wir dort und haben uns noch einen Herbstgruß (hier konnte man wiederum mit Karte bezahlen) mit nach Hause genommen. Frau Weiss berichtete uns , wie schwierig es sei, einen Hausarzt zu finden in dieser Gegend und wie froh sie sei, im Nachbardorf eine Hausärztin gefunden zu haben. Dabei sind die Ortschaften hier so schön, hsier lässt es sich bestimmt auch gut leben.

Epilog

Der Osten Deutschlands und Westen Polens sind sehr interessant und haben eine bewegte Geschichte.

An vielen Orten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, und an manchen Parks und Gebäuden ist leider sehr viel Zeit vorübergegangen, ohne dass jemand sich gekümmert hat. Aber es war immer schön, dies zu erkunden und die Geschichte dieser Orte nachzulesen.

Kann euch leider nicht die persönlichen Details auf dieser Reise ersparen, da der Verlust meines Onkels für uns beide sehr schwer war und immer präsent auf dieser Reise war. 

Auch wenn die Natur, die wir auf den Reisen erleben, uns immer ehrfürchtig werden lässt, sind es doch die Menschen, denen wir begegnen und manchmal auch ein bisschen kennenlernen, die die besonderen Momente einer Reise ausmachen, deshalb wollen wir nun häufiger auch mal die Menschen, die wir treffen, um ein Foto bitten.

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