Schottland 2016

Eilean Donan Castle - ja wir hatten wirklich so ein Wetter!

Vor jeder Reise, die ich plane, besorge ich mir Bücher über das Land, schaue, was es dort gibt und was für uns interessant sein könnte. Dann wird eine Landkarte mit großem Maßstab im Wohnzimmer zur Freude der Haustiere ausgebreitet und ich fange an zu kleben. Kleine Post-it Zettel werden auf die Point-of Interest geklebt. Ich überlege mir, wie viel Zeit wir fürs Anschauen und fürs Fahren brauchen und baue daraus eine IDEE für einen Urlaub. Denn unterwegs findet man andere ungeplante spannende Sachen und eingeplante Punkte erweisen sich als uninteressant oder keine Lust auf noch eine Kirche oder es ist grad so schön in der Sonne / im Regen zu sitzen. 

Auf mein Vorfreude-Planungsfoto hin schrieb Richie, ein Freund der jetzt in Amsterdam lebt: "have fun in my favourite country". Ich dachte, das sei vielleicht etwas romantisch übertrieben.

 

Wir wussten nicht, dass es auch unser liebstes Land werden würde, dass uns die gewaltige Schönheit der Landschaft manchmal Tränen in die Augen bringen und sprachlos machen würde.

Überfahrt nach Newcastle

Von Ostfriesland aus bietet es sich an, mit dem Schiff ab Amsterdam nach Newcastle zu fahren. Es kostet zwar ein Vermögen, wenn man ein großes Auto wie wir hat, aber dafür kommt am nächsten Morgen ausgeruht an und startet gleich in den ersten Urlaubstag. Wir haben ein schönes Abendessen bei ruhiger See genossen.

Scottish Borders

Da in den Lowlands immer wieder Kämpfe zwischen den Schotten und Engländern ausgetragen wurden, findet man in dieser Gegend viele Ruinen ehemaliger Klöster. Wir haben eine kleine Rundtour daraus gemacht auf unserem Weg nach Edinburgh.

Edinburgh - Stirling

Einkaufs-Royal-Mile

Da wir eine Unterkunft fast direkt an der High Street in Edinburgh hatten, konnten wir zu Fuß die Stadt erkunden, was allein wegen des am nächsten Tag beginnenden Fringe Festivals eine weise Entscheidung war. Die unzähligen Tartanaccessoires und Bekleidungsstücke in den Läden hoch zum Schloss haben uns ziemlich erschlagen.

Aber die Woolen Mill oben am Schloss gibt einem einen Einblick in die Herstellung der Tartans, man kann die Maschinen beobachten, wie sie die Tartans weben. Und natürlich auch dort Stoffe und fertige Kleidung in allen Farben und Tartanmustern kaufen. Ich bezeichne es mal als Glück, dass ich diesen Urlaub, wo wir so viele wunderschöne Wollstoffe, keltischen Silberschmuck und Felle sahen, mit völlig desolater Finanzsituation verbrachte, so dass Shopping für mich komplett ausfiel. So habe sehr schottisch gespart und einen Grund zurückzukehren.

Mama zum Geburtstag gratulieren vom Castle aus

Im Schloss von Edinburgh hatten wir einen Guide, der mit sehr starkem schottischem Akzent sprach. Lachend mit gespielter Entrüstung berichtete er von einem Gast, der ihn bat, doch bitte englisch zu sprechen.

Vom Castle aus hat man einen großartigen Blick über die Stadt und  wir hatten sogar großartiges Wetter.

 

Beim Castle haben wir uns dann auch den Explorer Pass gekauft, der uns zu freiem Eintritt zu vielen Schlössern und Ruinen berechtigte. Vor allem aber hat er uns eine neue Idee gegeben. Wenn wir nicht wirklich sicher waren, ob der Weg oder der Ort etwas ist, was wir uns anschauen sollten oder überhaupt dorthin dürften, haben wir uns gesagt: na wir sind doch die Explorer.

So kam dann auch diese Webseite zu ihrem Namen.

Irgendwie waren wir in Schottland immer etwas spät dran. Dass es sinnvoll ist, in diesem Landstrich füh ausfzustehen, wenn man etwas besichtigen will, mussten wir erst lernen. Die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten schließen um vier oder fünf ihre Tore. In Stirling Castle hatten wir Glück und sind in einer halben Stunde vor der Schließung durchgerauscht, obwohl man uns riet, noch mal wiederzukommen und mehr Zeit mitzubringen. Mansollte sich wirklich zeit nehmen, und als wir am Ende unserer Reise den Antonius Wall nicht fanden sind wir kurzerhand noch mal nach Stirling gefahren - mit viel mehr Zeit.

Den brühmten Loch Lomond im Westen von Stirling wollten wir umrunden. Aber ein mit vielen Holzstämmen beladener LKW kippte um und verteilte seine Ladung in der Kurve. Da die Strassen in Schottland schmal und rar sind, gab es keine Möglichkeit für uns, ausser umzukehren und eine Unterkunft zu suchen. Glücklicherweise gibt es dafür ein dichtes Netz aus Campingplätzen, die für uns immer noch ein Plätzchen hatten. Wir brauchten ja zur Not nur einen Stellplatz, im besten Fall gab es jedoch beheizte Waschräume und Strom am Stellplatz auf kurzem golfplatztauglichem Rasen.

So durften wir an diesem Abend den schönen Campingplatz in Callander entdecken, der um ein natürlich unter Denkmalschutz stehendes Piktengrab herum angelegt ist. Der freundlich Inhaber des Campings wies uns darauf hin, keinen Alkohol nachts draußen stehen zu lassen, da sich die Pikten möglicherweise aus den Gäbern erheben und sich unseren Alkohol schnappen könnten.

Argyll and Bute

Kastanie im Park von Inveraray Castle

Die riesigen Bäume sind erstaunlich, Woj schwor sich, nie wieder irgendetwas im Garten zu schneiden. Leider ist unser Garten weitaus kleiner als die Parks der Schlösser hier.

An meinem Geburtstag überraschte mich Woj mit einem Herz aus Moos mit einer Kerze aus einem Buchensproß. Schottland begrüßte mich mit strömendem Regen. Keine große Überraschung. Aber ich lernte einen polnischen Ausdruck in Schottland, der bezeichnend war für das Wetter dort: przejaśnia się -es klart auf. Das konnte man ständig sagen, denn eins war zuverlässig: dass nach dem Regen schnell wieder Sonne kommt.

Highlands

Nach einer kurzen Autotour kamen wir an den Rand der Highlands - ins berühmte Glencoe. Zum ersten Mal auf dieser Reise waren wir überwältigt von dieser Schönheit. Es ist völlig nutzlos, dies beschreiben zu wollen. Neil Oliver sagte, über Schottland zu schreiben sei wie über einen geliebten Menschen zu schreiben und die Angst, diesem nicht gerecht zu werden, sei nahzu überwältigend.

Wir hielten an. Hinter uns hielt ein junges Paar im Jaguar. Sie hatten die nacht im Tal verbracht und waren ganz durchgefroren, so machten wir vier uns erst mal einen heißen Tee. 

Wenn man aus dem Glencoe nach Süden ins Glen Etive abbiegt, kommt man nach einigen Kilometern an die Stelle, wo eine Szene aus Skyfall gedreht wurde. Wie viele vor uns stellten wir die Szene aus dem Gedächtnis nach (natürlich kein Internet!). Da es sehr früh am morgen war, begegneten wir nur ein paar Autos und waren ansonsten allein. 

Entlang des Loch Lochy und Loch Ness sind wir nach Richtung Inverness gefahren. Auf dem Weg gab es Mittagessen im "Thistle Stop Café" mit dem obligatorischen Disteldesign auf dem Geschirr und hervorragenden Gerichten, wie immer natürlich auch hier eine gute Auswahl für mich Vegetarier.

Der freundlich Angestellte unterhielt sich noch lange mit uns und empfahl uns, den nicht so viel befahrenen Weg an der Südküste des Loch Ness zu nehmen, da seien nicht so viele Touristen. Da wir mit unserem tollen Explorer Pass das Schloss Urqhart besuchen wollten, musste es dies Mal jedoch die (nicht wirklich überfüllte) Nordküste sein.

 

Die Strassen in den Highlands sind meist einspurig mit Passing Places. Wer Gegenverkehr sieht, fährt in den nächsten Passing Place auf seiner Seite und lässt den Gegenverkehr passieren. Am Anfang haben wir noch für Verwirrung und Gelächter gesorgt, wenn wir auf den Passing Place der rechten Seite fuhren, aber nach ein paar Kilometern hat sich das eingespielt wie auch das Fahren auf der linken Seite.

 

Inzwischen hatten wir angefangen, unsere vorsorglich mitgebrachten Gummistiefel auch regelmäßig zu tragen. Wenn ich mir Fotos aus meiner Kindheit anschaue, staune ich über die Wahl der Schuhe. Es gab ordentliche Schuhe für Sommer und Winter. Aber an allen anderen Tagen scheint es, trage ich Gummistiefel. Zur Badehose im Sommer und zum Abbrennen von Wunderkerzen im Winter an Silvester. Jetzt kamen nur die Regenhose und -jacke dazu und das Wetter konnte uns völlig egal sein, wir blieben trocken.

Kissencenter B&B Inverness

In Inverness gab es einen großen Viehmarkt und die halbe Welt schien in diese wirklich nicht sehr attraktive Stadt gekommen zu sein. Zum Glück war eine nette Lady am Nachmittag vom Besuch ihrer Tochter in Glasgow zurückgekommen und hatte erst spät ein Schild aufgestellt, dass Zimmer frei seien. Wir ergatterten das gefühlt letzte freie Zimmer in der Stadt zu einem definitiv an die Nachfrage angepassten Preis und versanken  glücklich in den ca 50 Kissen auf dem gerüschten Bett.

Polnischer Laden in Inverness
Auf unserer Erkundungstour durch diese graue Stadt standen wir plötzlich vor einem Polnischen Laden. Die gesamte Front war eine polnische Fahne, innendrin wurde nur polnisch gesprochen und es gab ALLES. Telefonkarten extra für Polen? Zeitschriften? Getränke? Süßigkeiten? Dosen und Tütensuppen? Alles.
Glenmorangie Destillery

Nördlich von Inverness machten wir unsere erste Tour durch eine Destillerie - Glenmorangie. Und ich musste feststellen, dass fast alle Destillerien in Schottland von großen Firmen aufgekauft sind, diese von LVMH, in Speyside gehören viele Pernod Ricard (z.B. Strathisla, Glenlivet). Nun gibt es dort viele tolle Marketingsachen wie Jacken, Schirme und Golfbälle zu kaufen.

 

Kann man von einer Ernüchterung sprechen in diesem Zusammenhang?

Die ausgesuchte Tour führte uns auf der neuen touristischen Route 500, der 500 Meilen langen Strasse an der Küste der Highlands. Hier gut ausgebaute Strassen zu erwarten würde dem Ziel in abgeschiedener Natur Urlaub machen widersprechen. Die wunderschöne Küstentour führte uns meist über einspurige kleine Strassen mit den bereits beschriebenen Passing Places.

Im Park des Dunrobin Castle erlebten wir einen Falkner mit seinen Vögeln, was sehr beeindruckend war. Auch sein 10 jähriger Sohn hatte schon seit vielen Jahren die Arbeit eines Falkners erlernt.

Der Park und seine Formschnitt-Büsche allerdings hatten ihren eigenen Charme. Keine Hecke und kein Busch war gerade. Ich taufte es den Garten des tipsy gardener, weil alles unglaublich schief und krumm war. Der Gärtner musste eine besondere Vorliebe für Whisky haben!

An der Nordspitze Schottlands mit Blick auf die Orkney Inseln fanden wir am Dunnet Head einen schönen Übernachtungsplatz auf einer Klippe. Der Blick auf die stürmische See und die Felsen war unglaublich und ich habe fantastisch geschlafen. Man konnte den Papageientauchern bei ihrer Flugakrobatik zusehen und das Nachtlicht war der Leuchtturm neben uns.

In Strathnaver findet sich ein kleines Museum in einer ehemaligen Kirche umgeben von einem uralten Friedhof auf dem scheinbar nur fast Hunderjährige liegen.

Dieses Museum erzählt die Geschichte der Highland Clearances, der unrühmlichen Vertreibung der Crofter, der einfachen Pächter und Kleinbauern durch Angestellte der englischen und schottischen Gutsherren, damit das Land für Schafszucht genutz werden konnte. Die größte Welle der Vertreibung und Auswanderung fand im Jahr der Schafe 1792 statt. Am schlimmsten scheint es die Gegend um Caithness getroffen zu haben. Auf der Fahrt durch diese Gegend sieht man überall die kleinen verlassenen Steinhäuser in der Landschaft. 

Sheepdog Trial

Südlich von Ullapool, zwischen Inverbroom Lodge und Inverlael stießen wir zufällig auf ein "sheep dog trial". Was für ein Erlebnis, diese Hunde bei der Arbeit zu sehen. Wir waren begeistert. Dazu heißen Tee und selbstgebackenen Kuchen und unser Lieblingsdress bestehend aus Regenjacke und Gummistiefeln.

Den Inverewe Garden & Estate erkundeten wir in strömendem Regen. Zum Glück. Sobald der Regen kurz aufhörte, überfielen uns Milliarden von Midges. Aber mit Regenjacke, Regenhose, Gummistiefeln und Schirm konnte uns das Wetter nichts anhaben und wir tauchten ein in die vielen verschiedenen Gartenbereiche von Neuseeland bis Afrika.

Der wohl berühmteste Abschnitt der Route 500 führt über Applecross. Bereits am Vortag hörten wir überall die Einheimischen von dem großen bevorstehenden Sturm sprechen. Es solle sehr windig werden. Wirklich windig. 

Ich dachte mir, Schotten und Ostfriesen dürften sich in diesem Punkt ähnlich sein, dass sie wortkarg sind und das Wetter ab Windstärke 10 erst als windig bezeichnen. Wenn es also WIRKLICH windig werden sollte, dann konnten wir uns auf etwas gefasst machen. 

 

Ja, es wurde windig. Und wir hatten uns gerade diese sehr steile schmale Strecke nach Applecross ausgesucht für diesen Tag. Und da es so windig und schmal und unglaublich schön war, kamen wir nicht ganz bis Applecross. Und als Übernachtung bot sich nach Wojs Meinung die Spitze der Klippe mit Blick auf das tosende Meer an. Ein wahrhaft grandioser Anblick.

Und ich gebe zu, dass ich vor meinem geistigen Auge die Schlagzeilen sah von den zwei dämlichen deutschen Ärzten, die in dem Orkan von der Klippe geweht waren.

 

Nachdem nicht nur mir sondern auch Woj klar war, dass ich an dieser Stelle vor Angst kein Auge zutun würde, parkten wir um ein paar Meter weiter hinter einen kleinen Hügel, wo der Wind (zunächst noch) von vorne kam, unser kleiner 2,3 Tonner also nicht ganz so stark hin und her schwankte. Die Schafe hinter unserem Auto hatten wir aus ihrer sicheren und windstillen Mulde verscheucht, was mir ein bisschen leid tat, aber wir würden nun überleben. Ich nahm an, die Schafe kannten sich etwas besser aus in der Gegend, was Schlafplätze anbelangt.

Eilean Donan Castle

Über Strathcarron, wo wir morgens um 8 nach der stürmischen Nacht ein gutes Frühstück bekamen, ging es weiter nach Süden. Wir statteten der berühmtesten Burg Schottlands, Eilean Donan Castle, einen Besuch im sehr passenden Sturm ab. Aber so war glücklicherweise fast nichts los in der Burg und auf der bekannten fotogenen Brücke.

 

Als wir später durch Wind und Regen zurück zum Auto rannten, rief uns eine Frau zu: "Welcome to summer in Scotland!"

Skye

Aufgrund des Sturmes waren alle Fähren geschlossen und wir waren sehr erfreut zu sehen, dass zumindest die Brücke nach Skye nicht gesperrt war. So fügten wir unserer großen 8 (der Tour durch Schottland) noch eine weitere kleine 8 hinzu, da wir nun hier auch nicht den direkten Weg wie geplant nehmen konnten. 

 

Wir waren nach der vergangenen stürmischen Ncht im Auto sehr müde und erreichten einen wirklich sehr abgelegenen Campingplatz nach einer langen Tour über eine einspurige Strasse. Und dann sagte man uns, dass die Toiletten verstopft seien und man könne deshalb keine neuen Gäste annehmen. Durch unser Zöllnertraining und das weiche Herz der Angestellten war dies nur eine kleine Hürde und kurze Zeit später starteten wir unsere kleine Routine von Kochen im Windschatten und Aufbau für die Nacht. Es kam wieder eine nacht mit starkem Wind und Regen, aber früh am nächsten Morgen kehrte Ruhe ein, so dass wir ausschliefen. 

 

Was sich als Fehler herausstellen sollte. Denn nun war ja schönes Wetter und die halbe Welt kam zum Wandern in diese Gegend, auf dessen einspuriger Strasse wir am zugegeben späten Vormittag zurückfahren wollten. Ein Einkaufszentrum in der Vorweihnachtszeit ist nichts dagegen. rects und links der einspurigen Strasse parkten Autos, und auf der EINEN SPUR dazwischen wollten LKWs, Busse, Autos irgendwie aneinander vorbei. Kurz gesagt, es war ein interessanter Vormittag mit viel Haareraufen.

Sehenswert ist das Clan Center der MacDonalds, das Armadale Castle, im Süden von Skye, wo man vor allem viel über die Geschichte Schottlands und die Clans erfährt.

 

 

Ich hatte von einer kleinen Fähre bei Kyle Rhea weiter nördlich gehört, die wir wegen des Sturms nicht auf der Hinfahrt hatten nehmen können. Nun zeigte sich der Himmel Schottlands von seiner strahlendsten Seite und wir fuhren die Strasse durch ein wunderschönes Tal hinab zur Fähre.

Highlands Teil 2

Bei unserem zweiten Besuch zeigte sich auch Eilean Donan in der Sonne. Uns hatten es vor allem die bunten Häuser im Dorf auf der anderen Seite der Brücke angetan. Und wir konnten nun auch unsere Postkartenfotos von der bekannten Burg abhaken.

In Culloden kann man das Schlachtfeld besichtigen, auf dem die Geschichte und Kultur der Highlander für lange Zeit begraben wurden.

 

Hier verlor Charles Edward Stuart, der den Thron in Schottland beanspruchte, mit 5000 Highlandern 1746 gegen die Engländer unter dem Duke of Cumberland, genannt der "Schlächter". Alle überlebenden 450 Jakobiten wurden nach der Schlacht hingerichtet. Die Schlacht und die folgenden Grausamkeiten werden als Schottisches Trauma bezeichnet.

Die Gesellschaftsordnung der Highlander ging verloren, die Musik, Sprache und Kleidung wurden verboten. 

Highlander in voller Montur in Culloden

Im hervorragend gemachten Museum von Culloden, das im Gegensatz zum Schlachtfeld Eintritt kostet, aber unbedingt sehenswert ist, kann man die ganze schreckliche Geschichte bis hin zur Schlacht und die weitere Entwicklung Schottlands nach der Schlacht erleben.

Man kann die originalen Waffen und Kleidung eines Highlanders erleben und mit einer Heilerin sprechen, die einem die Instrumente der Kriegschirurgie erläutert.

Moray

Bereits bei der Planung der Reise hatten wir vereinbart, dass eine Whiskytour nicht fehlen dürfe. Da ich meinte, bereits Erfahrung mit Whisky zu haben durch meine Zeit in einer bekannten Berliner Whiskykneipe, dem Café Insel in Moabit und keinen zu mögen, war die Planung einfach. Ich wollte fahren, Woj konnte ausgiebig probieren.

Wie immer, es kommt anders als man denkt. 

Wir haben verschiedene Destillerien ausgesucht und wirklich ab 10 Uhr morgens alles abgearbeitet. Man sollte meinen, es wird langweilig, weil das Herstellungsverfahren ja immer fast das selbe ist. Aber wir erfuhren immer wieder etwas neues und unsere Fragen wurden immer gezielter. Und - kaum zu glauben - ich entdeckte meinen Geschmack für Whisky. Offenbar hatte ich die falschen bisher probiert! Und es gibt übrigens in den guten Destillerien für den Fahrer ein kleines Fläschchen fürs Probieren nach Feierabend.

Wir haben ein bisschen eingekauft und ab und zu gibt es nun einen "wee dram". Der liebste ist uns tatsächlich der mit dem Jelen, dem Hirsch.

Baby it's cold outside

Tiefsttemperaturen von 4° sorgten für den einzigen  Einsatz des Föns als Warmluftgebläse.

 

Als uns am nächsten Morgen die kleinen Mücken, die Midges umschwirrten und ich mir das gute Avon Skin So Soft Oil (besser als jedes Mückenmittel) aufsprühen wollte, war es hart geworden in der Kälte. Schottischer Hochsommer!

Aberdeen - Aberdeenshire

Für Wojs Geburtstag hatte ich mir zwei hübsche Kleinigkeiten ausgedacht. Abgesehen von den mit Kerzen bestückten Haferkeksen zum Frühstück in Aberdeen und einem überdimensionierten goldenen "W" wollte ich mit ihm die Highland Games besuchen und ein besonders hübsches Schloss.

Nun gibt es in Schottland den ganzen Sommer über Highland Games. In Ballater fand ich  ein Event, das nun gerade hier bei uns in der Nähe und an seinem Geburtstag stattfand. Das Wetter war nicht allzu schlecht (dauerhafter Nieselregen), wenn man mit Regenhose, Gummistiefeln, Schirm und Regenjacke ausgerüstet war. Los gings mit spektakulären Gewicht- und Baumstammwürfen. Um besser sehen  und fotografieren zu können, zogen wir von der verregneten Bank ans Ende des Feldes an die Absperrung. Irgendein Duke wurde über Lautsprecher als hoher Gast angekündigt. Was mich wunderte war nur das "His Royal Highness". Den Namen kannte ich nicht. Aber als die Angekündigten direkt vor uns aus dem Auto stiegen, war ich sprachlos. Mir waren die Gäste als Prince Charles und Camilla bekannt. Aus irgendwelchen Blättchen natürlich nur. 

Das Lustigste war, dass Woj sich über die Ähnlichkeit zu dem eben erwähnten wunderte. Er hatte die beiden gar nicht erkannt! Bald kam die Dudelsackkapelle und verursachte bei mir ein bleibendes Echo von Tönen bis zum späten Abend. 

Nach diesem besonderen Erlebnis fuhren wir zum Glamis Castle, das, wie wir dann herausfanden, das Zuhause der Großmutter von Queen Elizabeth war. In der Eingangshalle war ein Foto von Wojs neuem Kumpel und seiner Frau, in dem gleichen Kostüm, das sie am Mittag in Ballater getragen hatte. Ein wahrhaft royaler Tag!

Fife

St. Andrews hat uns durch seine lange Geschichte und schönen Häuser beeindruckt, selbst das alte zerfallene Castle mit Blick auf die See ist einen Besuch wert.

Stirling - West Lothian - Edinburgh

Da wir nun noch etwas Zeit hatten, wolllten wir den Augustus Wall suchen, der wohl aber nur ein "landmark" ist und uns nicht beeindruckt hat. Viel besser war die Begegnung audf dieser Suche mit einem Bauern, der sich wunderte, was wir auf seinem abgelegenen Hof mit fragenden Gesichtern über die Landkarte gebeugt suchten. Da Woj sich dachte, es würde evtl fruchtlos sein, den Bauern nach dem Augustus Wall zu fragen, fragte er, wo geht es hier nach Glasgow. Der Mann wunderte sich nicht, wie weit wir wohl vom Kurs abgekomen seien, sondern erklärte Woj ausgiebig bis ins kleinste Detail über viele Kilometer den genauen Weg in Richtung Glasgow. 

 

Wir haben dann ein zweites Mal die Burg in Stirling besucht, diesmal mit viel Zeit und Audio Guide, was sich unbedingt lohnt.

 

Einen zweiten Besuch in Edinburgh wollten wir auch anschließen, aber die Stadt war aufgrund des Fringe Festivals so voll, dass wir nach Osten nach east Lothian flüchteten.

East Lothian

Wie immer fanden wir auch spät noch einen Platz auf einem Camping. Am nächsten Morgen weckte uns strahlender Sonnenschein und wir machten uns auf den Weg nach Newcastle zur Föhre. Aber es gab noch ein Schloss zubesichtigen: Tantallon. Die eindrucksvolle Lage auf den Klippen, geschützt von drei Seiten durch das Meer, ist sehenswert. Vor der Küste liegen mehrere Inseln wie große Kieselsteine im Meer. Einer davon erscheint weiß, durch ein Fernglas betrachtet sieht man die Ursache hierfür: Unmengen von Seevögeln sitzen auf dem Felsen.

Dear Richie, you were absolutely right. This is the most beautiful country and now it's our favourite country in the world as well.

 

Es hat uns so viel Freude gemacht, Schottland zu entdecken und manchmal hatten wir Tränen in den Augen bei so viel beeindruckender Schönheit. Ein Land, das einen bewegt mit seiner Geschichte und seinen immer überaus freundlichen Menschen. Dessen Natur unbeschreiblich ist und hoffentlich noch lange so erhalten bleibt.

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