Nordfrankreich 2014

Nach Frankreich also sollte es gehen. Wohin fährt man nach Frankreich? Also definitiv nicht nach Paris, Großstädte meide ich wie die Pest. Zu viel Staub und Dreck, Menschen, Lärm.

 

Die dreiwöchige Reise hatte ich so konzipiert, dass wir immer drei Tage im Auto unterwegs sein wollten, dort auch schlafen und natürlich kochen. Und dann sollte anschließend immer ein paar Tage zur „Re-Zivilisierung“ in einem Hotel oder in einer Pension geben. Vor allem mit einer Dusche!

Normandie

Monets Garten in Giverny

Unsere Tour führte uns natürlich erst mal durch die Niederlande und durch Belgien in die Normandie. Wir haben einen großen Bogen um Paris gemacht und sind direkt an unserem ersten Tag nach Giverny gefahren. Da wir ein kleines Hotel in der Straße von Monets berühmten Garten hatten, konnten wir frühen Morgen gleich zur Öffnungszeit in den morgendlichen Sommergarten.

 

Da wir ahnten, dass es später sehr voll werden würde, sind wir zunächst ins Haus gegangen und haben später den Garten erkundet. Das war die absolut richtige Entscheidung! Als langsam die ganzen Busse mit Touristen angekarrt kamen, waren wir schon auf dem Weg zur Nordseeküste.

Unser nächster Stopp war die Küste der Normandie. Es jährte sich gerade die Landung der Alliierten zum 70. Mal. Zu diesem Anlass hatte sich anscheinend jedes Dorf heraus geputzt, Fahnen und alte Kanonen herausgesucht und auf dem Dorfplatz oder Kreisel präsentiert. Es gab tolle "Liberty Shops" und andere Souvenir Läden.

 

In Arromanches-Les-Bains hatten wir eine kleine Pension bei einem Maler gefunden, der in seinem Wohnzimmer sein Atelier, das Grand Piano und den Frühstückstisch hatte.

In arromanches kann man die Pontons sehen, von den aus die Landungen stattfanden. Oben auf dem Hügel hat man nicht nur eine fantastische Sicht, sonderm es gibt auch ein 360° Kino mit einem großartigen Film über die Landung der Alliierten. Wenn man aus dem Film kommt, wiederholt man die letzten Worte, die dort in allen Sprachen zu hören warem: Nie wieder Krieg - und stolpert hinein in den Souvenirladen, wo es allerlei lustige Soldaten und Panzer zu kaufen gibt wie auch grausige Comics mit bösen Deutschen, die unschuldige kleine Mädchen von Schäferhunden zerfleischen lassen. "Les Allemands, les Allemands!" - dieser Schreckensruf aus dem Comic sollte uns als schwarzer Humor auf unserer Reise begleiten.

Wir haben ein bisschen Regen und Ruhe un der Küste im Norden der Normandie um Carteret bekommen, wor wir die Leuchttürme nachts bestaunt haben und diese uns Licht gegeben haben. Auf einem Bauernhof haben wir verschiedene Sorten Cidre und Pommeau probiert und gekauft. Der Mont-Saint Michel hat uns trotz der vielen Touristen mit seiner Größe und Ruhe beeindruckt..

Bretagne

Um ein kleines Abenteuer zu erleben, muss man ja bekanntlich nicht weit fahren. Wir brauchten bloss einen Meter vom schlammigen Weg halb die Böschung runter in Richtung eines Flusses unbestimmter Tiefe (so genau konnte man das durch das Gebüsch, in dem unser Auto steckte, nicht sehen). Getreu der Rollenverteilung blieb die verängstigte Frau im (noch auf unbestimmte Zeit) Auto, das zwar 45 Grad schief lag und in ein wie gesagt wahrscheinlich reissendes Bächlein abzustürzen drohte aber eben noch trocken war, und der Mann zog aus in den strömenden Regen um Hilfe zu holen. 

Dummerweise bin ich diejenige die Französisch spricht und Deutsch/Polnisch/Russisch half nicht dabei, das Vertrauen der Landbevölkerung so weit zu gewinnen, dass sie auch nur 1 Minute zuhörten, was der Fremde überhaupt wollte. Man schlug ihm die Tür vor der Nase wieder zu. "Les Allemands, les Allemands!"... Aber schließlich fand sich ein mutiger Mann, der rausfinden wollte, was es mit dem gestikulierenden Deutschen auf sich hatte. Er schnappte sich den Traktor seines abwesenden Nachbarn und tuckerte zu unserem Offroadabenteuer. Als bei dem Versuch, den Landcruiser aus der Gefahrenzone zu ziehen, die Räder des Traktors durchdrehten, habe ich etwas den Mut verloren, gebe ich zu. Dank Wojs technischem Verständnis, der Kraft des Traktors und der Neugier des französischen Bauerns wurde unser Urlaub doch gerettet und wir setzten - nach Protest meinerseits - den Tag auf befestigten Strassen fort.

Woj zog sich auf einem überdachten Supermarktparkplatz (!) trockene Kleidung an, was erstaunlicherweise nicht zu erneuten interessanten Begegnungen führte und dann - fast trocken - kauften wir unser Abendessen ein.

Am Pointe-Du Raz gibt es einen Parkplatz, auf dem man selbstverständlich nicht übernachten darf. Als es morgens nicht mehr regnete, öffneten wir die Heckklappe und genossen noch verschlafen den Morgen. Der Angestellte, der uns dann weckte, war mindestens genauso verwundert wie wir. Zum Frühstück wollte er nicht bleiben. Wir aber hatten die Gelegenheit, Sonnenuntergang und -aufgang am Pointe du Raz zu erleben.

Schlösser an der Loire

Nach den wilden Tagen in der Bretagne erwartete uns zum Gück warme Sonne im Loiretal. Zunächst übernachteten wir in einer kleinen Pension geführt von einem französisch - englischen Ehepaar, das gerade ein anderes französisch-englisches Ehepaar zu Gast hatte. Beide hatten eine Zeit in Frankreich und eine zeitlang in England gelebt. Auf die Frage, was man nach der Auswanderung nach Frankreich am meisten vermisse, antworteten beide: das indische Curry.

 

Die Schlösser der Loire sind unglaublich. Die kitschigen Dornröschenpuppenimpressionen von Ussy werden durch den verträumten Dachboden wieder wett gemacht, die schönen Gemüsegärten von Villandry sind umwerfend, das riesige Chambord mit seinen gewundenen Treppenhäusern und die Dachstuhlkonstuktion von Azay-le-Rideau hat uns beeindruckt und wir waren überrascht, wie viele berühmte Frauen auf Schloss Chenonceau gelebt haben. Aber am meisten beeindruckt hat uns das kleine halb verfallene Schloss Montrésor. Es gehört seit hunderten vonn Jahren einer polnischen Familie. Ein noch nicht ganz wacher Herr begrüßte uns halb angezogen vom Fenster des Wohnhauses aus, das Kassenhäuschen war nämlich nicht besetzt. Dann durften wir das Schloss besichtigen, dass bis vor wenigen Jahren von der Familie bewohnt wurde. Wer sich gerne in diese Welt versetzt, wird begeistert sein von diesem Schloss. Im Eingang verkaufte eine Dame Bunzlauer Pozellan und andere polnische Souvenirs, es stellte sich heraus, dass sie und ihr Mann, der uns begüßt hatte, die Nachfahren dieser Familie sind. Wir erstanden ein Buch über das Schloss (auf polnisch) und wurden nach einem langen Gespräch aufs herzlichste verabschiedet.

Auvergne

In der Auvergne haben wir nicht nur im Wald geschlafen, wo uns riesige Baumfällmaschinen am nächsten Morgen weckten, sonder auch in einem Bed & Breakfast. Dieses nette Ehepaar haben wir gleich freundlich begrüßt, indem wir den Garten baulich veränderten. Ich hatte es wohl eine Sekunde zu spät gesagt, dass "gleich hier links" das B&B sei, so dass wir fast schon vorbei waren. Aber Woj hat schnell reagiert, das Steuer rumgerissen und ist einfach von hinten durch den Garten nach vorne wieder reingefahren. Das Fuchteln des Mannes deuteten wir erst als freundliche Begrüßung. Mitnichten war es das. Wir hatten mit unseren 2,5 Tonnen auf seiner handgefertigtem Betonabdeckung geparkt. "Les Allemands!" hatten diese zarte Betonabdeckung zerstört. Kein guter Anfang. Die Einrichtung dieses Apartments war dann auch so im stilechten gerüschten Landhauslook, dass wir uns kaum irgendetwas zu benutzen trauten.

 

Die nächste Herberge war wirklich ein Fund, sie hatte nämlcih einen Landhaus-Michelin Stern. Und wir lernten, was ein französischer Magen können muss. Und wewegen man besser tagsüber nichts isst oder abends auch mal nein sagt.

Vorspeise, Suppe, Salat, Hauptgericht, Dessert, Käse. Am ersten Abend dachte Woj, er müsse sterben. Aber es war überaus lecker.

 

Dann kamen die Vulkanberge und mein Lachen erstarb fast. Den Puy De Dôme hatten wir uns mit einer Seilbahn erschummelt. Bergab ging ich problemlos zu Fuß. Als nächstes erstiegen wir den Mont Doré und ich hatte ein Schwerkraft-Problem. Und nun war ich es, die dachte sie müsse sterben. Mit zusammengebissenen Zähnen und Determination hab ich überlebt und wohl 300 Höhenmeter bewältigt. Lag bestimmt an dem vielen Essen...

In Thiers sind wir dann fast einem wahnsinnigen alten Messerverkäufer zum Opfer gefallen, der fast herumsprang und schrie ist als Woj die Messer berührte. Es sah nicht so aus, als ob der Laden viel geöffnet sei oder auch nur irgendetwas normalerweise verkaufen würde. Woj hat ein echtes Laguiole zu einem Spottpreis erstanden, aber wir waren heilfroh, als wir aus dem Laden raus waren. 

Burgund

Die Namen großartigen Klöster und Abteien von Burgund wie Cluny und Fontenay kannten wir aus dem Geschichtsunterricht. Aber dort zu sein und diese ehemaligen Orte der Macht zu besuchen war schon sehr beeindruckend. In Vézelay haben wir aufgrund der guten Fotos im Fenster das Atelier eines Fotografen besucht. Der schwärmte so von seinem Heimatort, das wir fast versucht waren, das zum Verkauf stehende romantische Hotel ein Stück die Strasse hoch zu kaufen und seine Nachbarn zu werden.

Champagne

Südlich von Reims hatten wir einen schönen Schlafplatz mit dem Wald im Rücken und blick über das Tal gefunden. Dort wollten wir die Nacht verbringen. Zwei sehr große und wirklich nicht freundlich aussehende streunende Hunde waren jedoch anderer Meinung und da sie nicht locker ließen, waren wir zum ersten Mal gezwungen uns ncoh spät einen anderen Schlafplatz zu suchen. Den fanden wir, ein Stück weiter die Feldwege hoch nach Norden. Wir verbrachten eine romantische Nacht auf unseren Klappstühlen vorm Auto sitzend mit Philosophieren unter dem Sternenhimmel dem fast vollen Mond und viel Wein.

Am nächsten Morgen fand ich ein Schild fast neben unserem Auto. Darauf war eine Jakobsmuschel abgebildet. Wir hatten am Jakobsweg übernachtet.

L'ange qui sourit - der lächelnde Engel, Reims

Die Geschichte der Kathedrale von Reims war uns bisher nicht bekannt gewesen. Eine Ausstellung in der Kathedrale erzählt von der bewegenden bewegten Geschichte dieser Kirche.

 

Nach all dem haben wir Fritten neben der Kathedrale gegessen und uns den berühmten Champagner im Supermarkt kurz vor der Grenze gekauft.

Auf Reisen bis an seine Grenzen und die des Autos gehen, Nahtoderfahrungen, Religion, die beeindruckende Schönheit der Natur, kulinarisches Neuland - dafür kann man auch nach Frankreich fahren.

 

Ach ja, mein Reisetip: niemals Käse im Auto lagern, wenn er nicht luftdicht verschlossen ist. 

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